27.06.2026 • Daniel Witt

Am 25. Juni 2026 wurde in der Gemeindevertretung in Mißfeldt's Gasthof intensiv über die möglichen neuen Windkraftanlagen zwischen Sprenge und Surendorf gesprochen. In der Einwohnerfragestunde wurden Fragen, Kritik und Sorgen zu vorgebracht.
Windkraftanlagen sind ein sichtbarer Eingriff in unsere Landschaft. Sie werfen Fragen zu Natur, Schattenwurf, Schall, Immobilienwerten, Gemeindefinanzen und Beteiligung auf. Das ist nicht nebensächlich. Genau deshalb braucht Schwedeneck eine offene, faire und faktenbasierte Debatte.
Kritik gehört zu einer lebendigen Demokratie. Wir nehmen sie ernst, setzen uns mit ihr auseinander und sind dankbar für Anregungen. Wichtig ist uns aber: Es stehen nicht "die Gemeinde" und "die Bürger" einander gegenüber. Die Gemeindevertretung besteht aus ehrenamtlich engagierten Menschen aus Schwedeneck. Und auch die Bürgerinnen und Bürger sind keine einheitliche Gruppe.
In der Einwohnerfragestunde klang an, Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter würden sich nicht ausreichend informieren oder Sorgen nicht ernst nehmen. Formulierungen wie "Haben Sie sich überhaupt Gedanken gemacht?" helfen dabei nicht weiter.
Wir können unterschiedlicher Meinung sein und hart in der Sache diskutieren. Pauschale Unterstellungen helfen dabei aber nicht. Auch rechtliche Schritte wurden in den Raum gestellt; umso wichtiger bleibt eine sachliche Auseinandersetzung. Wer "miteinander und nicht übereinander reden" möchte, sollte diesen Anspruch auch ernst nehmen.
Dieser Anspruch gilt für alle Seiten, auch außerhalb des Sitzungssaals. In einer WhatsApp-Gruppe der Bürgerinitiative gegen Windkraft in Schwedeneck ist eine direkte Diskussion technisch deaktiviert: Es werden Links, Bilder, Videos und Berichte geteilt, ohne dass dort sichtbar nachgefragt, widersprochen oder eingeordnet werden kann. Bei vielen dieser Beiträge wäre eine solche Einordnung jedoch wichtig. Ein Beispiel sind Beiträge von Prof. Dr. Andreas Schulte, die auch von der Bürgerinitiative angeführt werden. Sie wirken auf den ersten Blick wissenschaftlich fundiert, stehen jedoch seit Längerem in der Kritik, weil sie fachliche Mängel aufweisen, methodisch fragwürdige Schlussfolgerungen ziehen und wissenschaftliche Erkenntnisse teilweise einseitig darstellen. Wie sich diese Kritik konkret begründet, zeigt beispielsweise ein ausführlicher Faktencheck aus Nottuln: https://windkraft-nottuln.de/dokumentation/faktencheck-prof-schulte.html
Ein weiteres Beispiel sind verbreitete Visualisierungen unter dem Titel „mögliche Sichtwirkungen“. Aus unserer Sicht sind sie erklärungsbedürftig, weil sie aus erhöhter bzw. fliegender Perspektive erstellt wurden und die Anlagen visuell falsch und unrealistisch darstellen.
Wenn in der Sitzung respektvoller Dialog eingefordert wird, sollte dieser Anspruch auch in der eigenen Kommunikation gelten.
Das bedeutet nicht, dass jede Kritik an Windkraft falsch ist. Es bedeutet nur: Ein akademischer Titel ersetzt keine Quellenprüfung, ein Video keine belastbare Einordnung und ein zugespitzter Link keine sachliche Abwägung für Schwedeneck.
Unter anderem deshalb, haben wir Anfang des Monats einen ausführlichen Fragenkatalog zum Windpark Schwedeneck veröffentlicht: https://ubs-schwedeneck.de/aktuelles/windkraft-faq/
Außerdem haben wir eine App bereitgestellt, mit der Bürgerinnen und Bürger die möglichen Anlagen aus realen Blickwinkeln näherungsweise visualisieren können: https://ubs-schwedeneck.de/aktuelles/windpark-schwedenack-app/
Beides ist keine Werbung für Windkraft. Beides ist eine Einladung, sich selbst ein Bild zu machen. Unsere Haltung ist klar: Wir setzen auf Fakten, Transparenz und eine ehrliche Abwägung der Vor- und Nachteile. Nach sorgfältiger Prüfung aller Argumente kommen wir zu dem Ergebnis, dass die Vorteile der Windkraft in Schwedeneck die Nachteile bei weitem überwiegen. Gleichzeitig respektieren wir, dass andere diese Abwägung anders vornehmen.
Zu unserem Fragenkatalog und der App haben wir bereits positive Rückmeldungen bekommen. Gleichzeitig haben wir um Hinweise auf Fehler, fehlende Aspekte, Kritik oder Verbesserungsvorschläge gebeten. Under dem Fragenkatalog könnt ihr uns dazu unkompliziert kontaktieren. Konkrete negative Rückmeldungen oder Korrekturhinweise sind bei uns bislang nicht eingegangen. Bitte teilt uns solche Hinweise mit, wenn ihr den Eindruck habt, dass etwas fehlt, unzutreffend dargestellt ist oder verbessert werden kann.
Die in der Fragestunde getroffene Aussage, unser Fragenkatalog beruhe nur auf Unterlagen des Investors, stimmt nicht. Wir verweisen auf unterschiedliche Quellen, darunter Behörden, Fachagenturen, Studien, Gesetzestexte und öffentliche Unterlagen. Und wenn ein Punkt gegen Windkraft spricht oder noch offen ist, benennen wir diesen auch.
Ein weiteres Beispiel aus der Fragestunde: Es wurde gesagt, die Gemeinde habe von einem Windpark nur Nachteile und nur wenige würden profitieren. Fakt ist aber, dass die Kosten komplett vom Investor zu tragen sind und zugleich Einnahmen durch § 6 EEG, mögliche Gewerbesteuer und Beteiligungsmodelle (für alle Bürger) entstehen. Ob diese Vorteile die Nachteile überwiegen, ist Teil der politischen Abwägung.
Viele weitere Punkte, die in der Sitzung angesprochen wurden, haben wir in unserem Fragenkatalog bereits aufgegriffen: Zum Beispiel Immobilienwerte, Schattenwurf, Subventionen, Infraschall, Tourismus, Artenschutz, Rückbau, Mikroplastik und Gemeindefinanzen.
In der Fragestunde wurde auch ein Bürgerentscheid auf Beschluss der Gemeindevertretung (Ratsreferendum) gefordert. Direkte Beteiligungsinstrumente sind wichtig. Sie haben aber rechtliche Rahmenbedingungen, welche sich leicht recherchieren lassen.
Nach aktueller Gesetzeslage des Landes Schleswig-Holstein muss ein Bürgerbegehren gegen einen Beschluss der Gemeindevertretung grundsätzlich innerhalb von drei Monaten nach der Beschlussfassung eingereicht werden. Informationen dazu stellt das Land auf seiner Seite zu Bürgerrechten bereit: https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/themen/inneres-sicherheit-verwaltung/kommunales/Kommunalrecht/_documents/buergerrechte
Wir fragen uns, warum ein solcher Weg von der Bürgerinitiative nicht frühzeitig geprüft und formal beschritten wurde. Wenn jetzt in der Fragestunde ein Bürgerentscheid durch die Gemeindevertretung gefordert wird, gehört diese Vorgeschichte zur fairen Einordnung dazu.
Schwedeneck braucht keine Lagerbildung und keine Erzählung von "Gemeinde gegen Bürger". Wir brauchen eine echte Diskussion, in der Sorgen ernst genommen werden, aber auch Argumente von allen Seiten willkommen sind.
Windkraft ist kein einfaches Thema. Sie kann Einnahmen bringen, verändert aber auch das Landschaftsbild. Sie kann Teil der Energiewende sein, muss aber mit Natur-, Arten- und Anwohnerschutz vereinbar bleiben.
Miteinander reden heißt nicht nur, im selben Raum zu sprechen. Es heißt auch, fair zu informieren, Kritik respektvoll zu formulieren und die eigene Position an überprüften Fakten zu messen.
Deshalb unsere Bitte an euch: Schaut genau hin. Prüft Quellen. Nutzt unsere und andere Faktenchecks, schickt uns Hinweise und bildet euch eure eigene Meinung. Wir sind immer offen für eine sachliche und respektvolle Diskussion – hier in den Kommentaren oder im direkten Gespräch. Sprecht uns einfach an!